Ludwigs Tagebuch

Rudolf Kraus
Ludwigs Tagebuch
Ludwig Stifters Kriegsgefangenentagebuch 1914-1920
978-3-903442-82-5
erscheint im September 2026
passion for books

Rudolf Kraus
Ludwigs Tagebuch
Ludwig Stifters Kriegsgefangenentagebuch 1914-1920
978-3-903442-82-5
erscheint im September 2026
Die Texte seines neuen Lyrikbandes hat Rudolf Kraus auf ein stabiles Zahlengerüst aufgebracht: Da gibt es die vertrauten Siebzehnsilber in drei Zeilen, Haikus also, die ja gemäß eines seiner früheren Bücher gut schmecken, aber auch Tankas. In der Folge wird mit den Silben immer mehr gespart, schließlich können auch nur drei oder vier Worte ein Gedicht ausmachen. Zum Ende des Buches hin beginnt Kraus wieder ein bisschen zu urassen – gleich sieben Zeilen umfasst „baumsilber“ (S. 87):
baumsilber
baumschneider
baumkraxler
baumgartner
kein baum im ozean
wie macht der fisch
kein orca zitiert max frisch
Nun soll man Lyrik bekanntlich nicht mit der Küchenwaage oder einer Stricherlliste bewerten, geht es doch vordringlich darum, was zwischen den Wörtern und zwischen den Zeilen steht – dort, wo sich der Leser/die Leserin ihren eigenen Reim machen kann und gleich den Gefangenen in Nabucco „va pensiero, sull’ali dorate“ anstimmen.
Diese so induzierten Gedanken fliegen über ausgedehnte Felder, und deren Grenzpflöcke sind weit gesteckt: von einem See der Traurigkeit, den man gut kennen mag oder auch weniger gut, bis ans Ortsschild des Städtchens Calau.
Zwei Eckpfeiler dieser verdichteten Landschaft (S. 55 bzw. S. 93):
keine zeit
für die ewigkeit
ihr verzeiht
shakespeare trank schankbier
hamlet oder nicht king lear
warmes ale aus wales
Ergänzt hat der Autor seine Gedichtsammlung mit eigenen Fotos aus Natur und Kultur: Tümpel, Gräser, Straßenschluchten, Ottakringer-Dosen. Demgegenüber unterstreicht Armin Baumgartner in seinem kundigen Nachwort die Bedeutung von Zahlen und namentlich von Primzahlen – die 17 Silben des Haiku und die 31 des Tanka sind ja solche –, für die Literatur im Allgemeinen und für die Arbeit von Rudolf Kraus im Besonderen.
Ohne nun meinerseits die Riemannsche Vermutung zu bemühen, möchte ich sagen: Ob seiner knappen Form könnte man den Band wohl in der Schnellbahn zwischen Liesing und Süßenbrunn durchblättern, doch wäre dies weder angemessen noch ratsam – vielmehr frommt es der Leserschaft, sich mal von dem einen, mal von dem anderen Gedanken anstoßen zu lassen und dort, wo dies angezeigt – und von Rudolf Kraus wohl auch so gewollt – ist, zu schmunzeln oder unbekümmert zu lachen.
Erich Schirhuber (2025)
Rudolf Kraus
wenn ich am morgen schon abends
gedichte
Mit Bildern von Kurt Giovanni Schönthaler
€ 23,90
78 Seiten, broschiert
978-3-903442-59-7
mehr …Rudolf Kraus
versvermessung
siebzehnsilber: senryu – haiku – dreizeiler
elfsilber: rukai
fünfsilber
suchbilder silber
mit schwarz-weiß-fotos des autors
€ 23,90
180 Seiten
978-3-903442-62-7
Mittwoch, 4. Oktober 2023, 19:30 Uhr
Lesung und Konzert
Rudolf Kraus liest aus seinem neuen Buch
schuldgefühle allerorts
wolf & licht spielen ihre feschesten Wienerlieder
Die Sendereihe Nachtbilder – Poesie und Musik widmet
sich Rudolf Kraus‘ Podium Porträt Nr. 116.
mein blau ist mitunter rosa
Es liest: Michael Dangl
Redaktion: Edith-Ulla Gasser.
Sa, 26. März 2022, 22:05
ORF Radiosendung
Österreich 1
Ö1 KUNSTSONNTAG: NEUE TEXTE
Rudolf Kraus: Vatermutterland
Brüchiges Erinnern, tastendes Ahnen
Es liest: Michael Dangl
Redaktion: Edith-Ulla Gasser
So, 20. März 2022, 21:40
ORF Radiosendung
Österreich 1
Tausend Tode könnt’ ich sterben – übersetzt man den Titel ins Englische, „I Could Die A Thousand Times“, könnte dies wohl auch eine Liedzeile aus einem grantigen Bluessongs sein, in dem der Sänger seine Sehnsucht nach seiner durch Eigenverschulden verlorenen Liebe oder nach der Wiedergutmachung eines eigens begangenen Unrechts in die Welt hinausheult. „Lost Woman Blues“ von Motörhead wäre wohl ein geeigneter Kandidat, um die Atmosphäre musikalisch zu verbildlichen …
Armin Baumgartner, Literaturhaus Wien
GEGENWARTSLITERATUR 2318
tausend tode könnt' ich sterben
Sprachminiaturen sind treffsichere abgerundete Fügungen, die sich wie Gebilde mit Widerhaken auf dem Filz des Alltags festsetzen.
Rudolf Kraus setzt mit dieser feinen additiven Methode, wo überraschende Wendungen wie Magnetsteine auf die Fläche gesetzt werden, durchaus großen Themen zu wie dem Tod. Nicht nur das nicht Voraussehbare, „wie wird denn wohl mein Tod ausschauen?“, spielt eine Rolle, sondern manche Ereignisse spitzen sich schon zu Lebzeiten so dramatisch zu, dass ihnen der Tod den Deckel drauf setzen muss. So kümmern sich die Sprachminiaturen nicht nur um die Ars moriendi, die Kunst des Sterbens, sondern mindestens so heftig um die Ars vivendi, die Kunst des Lebens.
Rudolf Kraus ist der Captain Kirk unter den Lyrikern: heldisch, stolz, nicht ohne Pathos, hin und wieder den Zeigefinger hebend, gleichwohl auch souverän, von Beginn an melancholisch, zusehends witzig. Und immer meint man, eine ungeweinte Träne zu spüren.
Fazit: nicht vulkanisch, sondern menschlich.Heinrich Steinfest (Schriftsteller, Stuttgart, Deutscher Krimipreisträger 2004)
ein ende ist nicht abzusehen
Verdammt gute Papierschiffchen gegen die unabänderlich ratternden Prosapanzer …
Georg Pichler, www.buecherschau.at